29. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur (auf Zoom)
オーストリア現代文学ゼミナール

12. und 13. Dezember 2020
Mit Daniel Wisser
Doron Rabinovici

Doron Rabinovici wurde 1961 in Tel Aviv geboren und lebt seit 1964 in Wien. Er ist ein genuiner Erzähler, promovierter Historiker und streitbarer Zeitgenosse, der auch zu tagespolitischen Themen Stellung nimmt. Seine Romane und Erzählungen greifen gesellschaftlich relevante Themen auf, zeichnen sich aber auch durch Witz und narrativen Elan aus. In seinem politischen Engagement setzt sich Rabinovici für das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft ein. Besondere Aufmerksamkeit schenkt er in seinen publizistischen Schriften dem Wiederaufleben von Nationalsozialismus und Antisemitismus.

Werke (Auswahl)

  • Papirnik. Stories (1994)
  • Suche nach M. Roman in zwölf Episoden (1997)
  • Ohnehin. Roman (2004)
  • Andernorts. Roman (2010)
  • Historische Schriften und Essays:
  • Instanzen der Ohnmacht. Wien 1938-1945. Der Weg zum Judenrat (2000)
  • Credo und Credit. Einmischungen (2001)
  • Der ewige Widerstand. Über einen strittigen Begriff (2008)

Auszeichnungen (Auswahl)

  • Preis der Stadt Wien für Publizistik
  • Clemens-Brentano-Preis
  • Jean-Améry-Preis für Essayistik
  • Anton-Wildgans-Preis

Das Seminar findet wie bisher in Nozawa Onsen (Ryokan Sakaya, Vollpension) statt. Neben Vorträgen von Germanisten und Lesungen des Autors wird es auch eine Gesprächsrunde sowie einen Abend mit Dokumentarfilmen von verschiedenen Auftritten Rabinovicis geben. Das Seminar beginnt am Freitag, dem 23. November, um 18 Uhr, mit dem Abendessen, der erste Vortrag um 20 Uhr. Ende des Seminars am Sonntag, dem 25. November, um 12 Uhr.

Über Doron Rabinovici

Robert Schindel in seiner Laudatio zur Verleihung des Mörike-Förderpreises:

Es liegt nicht in den Genen, doch ein kultur-historisches Gedächtnis kann schon Wirkung entfalten: Dorons Mutter Schoschanna wurde bei der Liquidierung des Gettos von Wilna im Stoffsack ihrer Mutter bei der Selektion zum Leben gerettet. Als er selber viel später von diesen Dingen erfuhr, von den Glücksfällen in der Großen Katastrophe für die europäische Judenheit, von den Voraussetzungen seiner eigenen Existenz also, da stieg sein Thema direkt in seine Alphabetisierung hinein: Rabinovici ist zum Dichter des verhangenen Schuldgefühls geworden. „Ich bin schuld“, rufen seine Protagonisten unentwegt, bevor sie als Buch verbrennen oder sich aus den Mullbinden des Verhängnisses entwickeln.

Paul Michael Lützeler über Ohnehin in der ZEIT:

Es gibt wenige Romane, in denen die Dialektik von Vergessen und Erinnern, Verschweigen und Reden, Verdrängen und Bekennen so komplex geschildert wird wie in Rabinovicis Roman.

Andreas Kilcher in der Neuen Zürcher Zeitung:

‚Lachen ist Triumph‘, erklärt Doron Rabinovici in einem Aufsatz seines jüngst erschienenen Essay-Bandes Credo und Credit – und erweist sich hier sogleich als Meister auch dieser Form der pointierten und zugespitzten Reflexion, nachdem er sich schon als Erzähler, Romanschriftsteller und wissenschaftlicher Autor bewiesen hat.

Rezensionen

„Der Messias aus der Retorte“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung über ‚Andernorts. (28.08.2010)

‚Komisch verzweifelt‘. Die Zeit (9.10.2010)