29. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur (auf Zoom)
オーストリア現代文学ゼミナール

12. und 13. Dezember 2020
Mit Daniel Wisser
Gläserne Klarheit, poetische Verdichtung: Einführung ins Werk von Sabine Gruber

In meinem Referat will ich das bisherige Schaffen Sabine Grubers kurz darstellen und ihr Werk einzuordnen versuchen. Ich werde mich dabei vor allem auf ihre vier Romane konzentrieren, also auf das auch von ihr bevorzugte Genre. Sabine Grubers Texte sind in vielerlei Hinsicht stark von denen Ingeborg Bachmanns beeinflusst. Die Protagonistinnen dieser Bücher kommen durchwegs aus Südtirol und leben entweder in Wien, Rom oder Venedig – und oft, als Heimatlose und solche, die sich auch von ihrem Elternhaus losgesagt haben, zwischen allen Orten. Italien nimmt jedoch eine von Roman zu Roman stärker ausgeprägte Stellung ein. Sabine Gruber schreibt zwar auf Deutsch, macht aber gleichzeitig mit ihrem Italienerin-Sein Ernst. Ihre Literatur ist ebenso deutschsprachig wie italienisch – und das ist kein Widerspruch.
Die Autorin erzählt gerne zweistimmig, arbeitet gekonnt mit einem breit gefächerten Formeninventar und praktiziert atemberaubende Perspektivwechsel. Sie geht dem Leben ihrer Protagonistinnen unerbittlich auf den Grund, und dort begegnen sich Eros und Tod, deren Verschlingungen unter dem erzählerischen Mikroskop seziert werden. Die Autorin dieser einem hohen Anspruch von Wahrhaftigkeit verpflichteten Geschichten kennt keine Kompromisse, steht politisch auf der richtigen Seite, kann aber auch über sich selbst lachen. In geglückten Passagen kann diese Prosa weit über den Anlass hinauswachsen. Doch was immer sich auch an „Transzendenz” in Sabine Grubers Büchern findet, es ist gebaut auf erzählerischem Fels, enthält einen ganz konkreten Kern.

Sabine Gruber
Freitag, 14. November 2014
18:00Abendessen
19:30Gläserne Klarheit, poetische Verdichtung: Einführung ins Werk von Sabine GruberWalter Vogl
20:15Erste LesungSabine Gruber
Samstag, 15. November 2014
09:30Südtirol-Bilder in der Literatur aus Südtirol – ein Vergleich von Joseph Zoderer und Sabine GruberAtsushi Imai
10:00Überall fremd – Sabine Grubers Roman „Aushäusige“Leo Schlöndorff
10:30Zweite LesungSabine Gruber
11:00Wassermassen, die dem Tod zuströmen – Über den Roman „Die Zumutung”Natsuno Tokunaga
11:30„Die Sprache schneit, unablässig schweigt sie Neues hervor, wirbelt an den Rändern“ – Über die Lyrik Sabine GrubersKyoko Tokunaga
12:15Mittagessen
15:00Den Toten das Leben zurückgeben – Letzte Dinge in Sabine Grubers Roman „Über Nacht”Shihoko Ora
15:30Organtransplantation, Hirntod und Anthropotechnik – Anmerkungen zur Debattte in JapanWolfgang Herbert
16:30Werkstattgespräch mit Sabine Gruber, Masahiko Tsuchiya und Shinichi Suzuki
17:30Lesung Sabine Gruber
18:30Abendessen
19:30Präsentation von „111 Orte in Südtirol, die man gesehen haben muss”Sabine Gruber
21:00Hörspielabend: “Bis dass ein Tod” - ein Hörspiel von Sabine Gruber (mit Einleitung)
Sonntag, 16. November 2014
09:30„Stillbach” oder die Orientierung im VerschwindenSugi Shindo
10:00Poetische Verarbeitung der Südtiroler Diskrepanz zwischen Sehnsucht und unsteter Zugehörigkeit – Sabine Grubers Roman „Stillbach oder Die Sehnsucht”Masanori Manabe
10:30Erinnerung in Sabine Grubers „Stillbach oder Die Sehnsucht”Erich Meuthen
11:00Podiumsdiskussion
11:30Lesung Sabine Gruber
12:00Schlussworte