29. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur (auf Zoom)
オーストリア現代文学ゼミナール

12. und 13. Dezember 2020
Mit Daniel Wisser
Poetische Verarbeitung der Südtiroler Diskrepanz zwischen Sehnsucht und unsteter Zugehörigkeit – Sabine Grubers Roman „Stillbach oder Die Sehnsucht”

Sabine Grubers 2011 erschienener Roman fängt mit einer Szene an, die ein poetisches Muster des ursprünglichen Begehrens widerspiegelt. Clara, eine in Wien ansässige Literaturwissenschaftlerin, liest da im Zug nach Rom ein paar Textstellen aus dem Nachlass von Ines, einer alten Freundin aus Kindertagen. Dabei muss sie an das Leben der Freundin denken, denn Ines ist vor kurzem unerwartet und plötzlich in Rom verstorben. Clara ist unterwegs, um den Haushalt von Ines aufzulösen und ihre Sachen inklusive ihrer zahlreichen Schriften zu ordnen. Unversehens beginnt sie, eine ihr unbekannte Geschichte, das Leben der Verstorbenen, mithilfe von schriftlichen Überresten und noch lebenden Zeugen zu rekonstruieren. Das Verlorene, das einst ganz nah und vertraut zu sein schien, durch Lektüre und Recherche, und damit unvermeidlich distanziert und vermittelt, wiederherstellen zu wollen, das ist die sich verschachtelnd wiederholende poetische Tätigkeit, die einen Roman mit häufigen Perspektivenwechseln entstehen lässt. Ines, die mit Clara in dem fiktiven Südtiroler Dorf Stillbach aufgewachsen war, hat aus dem Leben einer anderen Stillbacherin, Emma, einen Roman gemacht, den Clara in ihrem Nachlass finden wird. In diesem Roman, der einen Roman im Roman enthält, handelt es sich also um die Vergegenwärtigung der nicht unproblematischen deutsch-italienisch-österreichischen Geschichte seit Anfang des 20. Jahrhunderts, in der drei Stillbacherinnen wegen der Diskrepanz zwischen der Sehnsucht nach ihrer Heimat Stillbach und einem Gefühl unsteter Zugehörigkeit verschiedene Wege gingen. Mein Vortrag versucht zu skizzieren, wie vielschichtig das Formenrepertoire dieses Romans, dessen Autorin auf die poetische Verarbeitung des verlorenen Ursprünglichen zielt, mit dem konkreten historischen Erzählinhalt zusammenhängt.

Sabine Gruber
Freitag, 14. November 2014
18:00Abendessen
19:30Gläserne Klarheit, poetische Verdichtung: Einführung ins Werk von Sabine GruberWalter Vogl
20:15Erste LesungSabine Gruber
Samstag, 15. November 2014
09:30Südtirol-Bilder in der Literatur aus Südtirol – ein Vergleich von Joseph Zoderer und Sabine GruberAtsushi Imai
10:00Überall fremd – Sabine Grubers Roman „Aushäusige“Leo Schlöndorff
10:30Zweite LesungSabine Gruber
11:00Wassermassen, die dem Tod zuströmen – Über den Roman „Die Zumutung”Natsuno Tokunaga
11:30„Die Sprache schneit, unablässig schweigt sie Neues hervor, wirbelt an den Rändern“ – Über die Lyrik Sabine GrubersKyoko Tokunaga
12:15Mittagessen
15:00Den Toten das Leben zurückgeben – Letzte Dinge in Sabine Grubers Roman „Über Nacht”Shihoko Ora
15:30Organtransplantation, Hirntod und Anthropotechnik – Anmerkungen zur Debattte in JapanWolfgang Herbert
16:30Werkstattgespräch mit Sabine Gruber, Masahiko Tsuchiya und Shinichi Suzuki
17:30Lesung Sabine Gruber
18:30Abendessen
19:30Präsentation von „111 Orte in Südtirol, die man gesehen haben muss”Sabine Gruber
21:00Hörspielabend: “Bis dass ein Tod” - ein Hörspiel von Sabine Gruber (mit Einleitung)
Sonntag, 16. November 2014
09:30„Stillbach” oder die Orientierung im VerschwindenSugi Shindo
10:00Poetische Verarbeitung der Südtiroler Diskrepanz zwischen Sehnsucht und unsteter Zugehörigkeit – Sabine Grubers Roman „Stillbach oder Die Sehnsucht”Masanori Manabe
10:30Erinnerung in Sabine Grubers „Stillbach oder Die Sehnsucht”Erich Meuthen
11:00Podiumsdiskussion
11:30Lesung Sabine Gruber
12:00Schlussworte