29. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur (auf Zoom)
オーストリア現代文学ゼミナール

12. und 13. Dezember 2020
Mit Daniel Wisser
Wassermassen, die dem Tod zuströmen – Über den Roman „Die Zumutung”

In Sabine Grubers Roman „Die Zumutung“ fürchtet die Hauptfigur Marianne den Tod, weil sie an einer Niereninsuffizienz leidet. Eines Tages lernt sie auf einer Party Beppe kennen, der sich später in sie verliebt. In diesem Roman spielt das Motiv „Wasser“ eine große Rolle. Das Wasser verfolgt Marianne ununterbrochen, wie der Tod. Sie möchte immer Mineralwasser trinken, weil sie ständig Durst hat. Die Städte, in denen sie wohnt oder die sie besucht, liegen allesamt an einem Fluss oder in der Nähe eines Flusses. Seit langer Zeit verbindet man mit Wasser den Tod. So führt z.B. nicht nur in der griechischen, sondern auch in der japanischen Mythologie ein Flussübergang ins Reich der Schatten. Aber Marianne versucht das Fließen der in den Tod führenden Wassermassen zu verlangsamen. Sie erzählt dem Tod eine Geschichte, um ihn aufzuhalten. „Man muß den Tod in ein Gespräch verwickeln, ihn ablenken. Er arbeitet weniger schnell, wenn man mit ihm spricht.“ („Die Zumutung“, dtv-Ausgabe, S.7)
Die Erzählung des Lebens ist ein Zurückspulen der Zeit, die nomalerweise nur eine Flussrichtung kennt. Außerdem sieht Marianne viele Bilder, z. B. „Ikarus im Wasser“ („Die Zumutung“, S. 136). Sie lässt sich auch photographieren, denn Bilder und Photos bedeuten Auflehnung gegen den Ablauf der Zeit. Am Ende bewältigt sie ihre Krankheit durch eine Operation und sie „befreit sich vom Wasser“.

Sabine Gruber
Freitag, 14. November 2014
18:00Abendessen
19:30Gläserne Klarheit, poetische Verdichtung: Einführung ins Werk von Sabine GruberWalter Vogl
20:15Erste LesungSabine Gruber
Samstag, 15. November 2014
09:30Südtirol-Bilder in der Literatur aus Südtirol – ein Vergleich von Joseph Zoderer und Sabine GruberAtsushi Imai
10:00Überall fremd – Sabine Grubers Roman „Aushäusige“Leo Schlöndorff
10:30Zweite LesungSabine Gruber
11:00Wassermassen, die dem Tod zuströmen – Über den Roman „Die Zumutung”Natsuno Tokunaga
11:30„Die Sprache schneit, unablässig schweigt sie Neues hervor, wirbelt an den Rändern“ – Über die Lyrik Sabine GrubersKyoko Tokunaga
12:15Mittagessen
15:00Den Toten das Leben zurückgeben – Letzte Dinge in Sabine Grubers Roman „Über Nacht”Shihoko Ora
15:30Organtransplantation, Hirntod und Anthropotechnik – Anmerkungen zur Debattte in JapanWolfgang Herbert
16:30Werkstattgespräch mit Sabine Gruber, Masahiko Tsuchiya und Shinichi Suzuki
17:30Lesung Sabine Gruber
18:30Abendessen
19:30Präsentation von „111 Orte in Südtirol, die man gesehen haben muss”Sabine Gruber
21:00Hörspielabend: “Bis dass ein Tod” - ein Hörspiel von Sabine Gruber (mit Einleitung)
Sonntag, 16. November 2014
09:30„Stillbach” oder die Orientierung im VerschwindenSugi Shindo
10:00Poetische Verarbeitung der Südtiroler Diskrepanz zwischen Sehnsucht und unsteter Zugehörigkeit – Sabine Grubers Roman „Stillbach oder Die Sehnsucht”Masanori Manabe
10:30Erinnerung in Sabine Grubers „Stillbach oder Die Sehnsucht”Erich Meuthen
11:00Podiumsdiskussion
11:30Lesung Sabine Gruber
12:00Schlussworte