28. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur in Nozawa Onsen
オーストリア現代文学ゼミナール

15. bis 17. November 2019
Mit Thomas Stangl
Bild und bildliche Rede in Die Stunde zwischen Frau und Gitarre
Erich Meuthen

Man hat gesagt, für den Roman sei bezeichnend, dass er anders als die anderen literarischen Gattungen seine eigene Poetologie und Rechtfertigung enthalte. Das gilt auch für Setz’ Die Stunde zwischen Frau und Gitarre. Der 1000seitige Roman gibt Hilfestellungen für sein Verständnis und erläutert das behandelte Problem. Wichtig ist in dem Zusammenhang die Erinnerung Natalies an ein länger zurückliegendes Ereignis: an den Todeskampf des Hundes ihrer Freundin, an das krampfartige Aufblähen der Pfoten und des Bauchraums, an die pralle Starre seines Körpers und die dann folgende plötzliche Entspannung. „Der Tod probierte den kleinen Pudel an wie einen Handschuh“, denkt sie, stutzt – und fragt sich, ihre Hand in den Nacken legend: „Woher kam dieses Bild? War es von selbst in ihr entstanden? Hatte es die Schulfreundin damals erwähnt? Oder war es ihr erst heute eingefallen, jetzt, in diesem Augenblick. Die Zeit wurde unwirklich.“ (S.807) Auf diese Fragen weiß sie keine Antwort. Stattdessen denkt sie an Hollberg, ihren scheinbaren Gegenspieler, den sie durch ihre Handbewegung aber unwillkürlich imitiert – und fragt sich, ob er wohl „dasselbe tat? Über Bilder nachdenken.“ Damit ist das Thema benannt, das der Roman auf vielen Ebenen entfaltet. Er enthält nicht nur Bilder (Fotographien und Zeichnungen), in ihm wird auch mehrfach von solchen erzählt und ihre Wirkung beschrieben. Er denkt nach über die Differenz von Darstellung und Dargestelltem. Und dabei geht es nicht nur um Gegenstände der darstellenden Kunst, sondern eben auch um bildliche metaphorische Rede, die für die menschliche Bewusstseinsbildung und wie selbstverständlich auch für den Roman selbst elementare Bedeutung hat. Der Titel exponiert das Problem und verdeutlicht die besondere Qualität des die Überlegungen leitenden Blickwinkels, indem er die Differenz der beiden Elemente des Vergleichs (‚Frau‘ und ‚Gitarre‘) nicht räumlich, sondern durch das Pars pro toto ‚Stunde‘ zeitlich bestimmt.

Clemens J. Setz
Foto: APA (Neubauer)
Freitag, 11. November 2016
18:30Abendessen
20:00Am Nullpunkt des Menschseins. Anmerkungen zum Werk von Clemens J. SetzClaus Telge
20:30Erste LesungClemens J. Setz
Samstag, 12. November 2016
09:15„Von außen betrachtet, (...) sah alles ganz anders aus“– Clemens J. Setz’ literarisches Debüt zwischen Moderne und PostmoderneWalter Vogl
09:45„Wie in eines matt geschliffenen dunklen Widerschein“: Setz als postmoderner NeoromantikerMichael Wetzel
10:15Pause
10:30Zweite LesungClemens J. Setz
11:00„Eisenspäne in die unsichtbaren Magnetlinien streuen“? Eine paratextuelle Annäherung an Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter KindesMiyuki Soejima
11:30Das Leben als Internet und Computerspiel. Anmerkungen zu Clemens J. Setz’ Erzählungen „Der Schläfer erwacht“ und „Kleine braune Tiere“Teppei Yamamoto
12:00Mittagspause
15:00Randexistenzen und Grenzgänger als ProtagonistenChristian Zemsauer
15:30Alle Spuren führen ins Leere – Über die Erzählweise des Romans IndigoShihoko Ora
16:00Pause
16:15WerkstattgesprächClemens J. Setz & Claus Telge
17:15Dritte LesungClemens J. Setz
18:30Abendessen
20:00„Ich bin so wenig Furcht einflößend.“ Der Erzähler Clemens J. Setz. (ORF- Feature)
20:30Präsentation: ASMR-Videos, Filme
Sonntag, 13. November 2016
09:30Verfahrensweisen der Appropriation Art in Die VogelstraußtrompeteJisung Kim
10:00Clemens J. Setz und die Zukunft der LiteraturAyano Inukai
10:30Bild und bildliche Rede in Die Stunde zwischen Frau und GitarreErich Meuthen
11:00Pause
11:15Vierte LesungClemens J. Setz
11:45Abschlussdiskussionmit Clemens J. Setz