29. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur (auf Zoom)
オーストリア現代文学ゼミナール

12. und 13. Dezember 2020
Mit Daniel Wisser
Daniel Wisser

Das 29. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur wird in diesem Jahr am 12. und 13. Dezember auf Zoom stattfinden. Geplant sind zwei Nachmittags-Meetings zu je drei Stunden. (Anmeldung ist unbedingt erforderlich!)

Gast ist Daniel Wisser (geb. 1971), der neben seiner schriftstellerischen Arbeit auch als Musiker und Herausgeber zeitgenössischer Literatur tätig ist. Eben erst erschien eine von Wisser zusammengestellte Anthologie mit Werken Andreas Okopenkos, einem der eigenwilligsten österreichischen Autoren im Umfeld der Wiener Gruppe.

Daniel Wisser studierte Germanistik an der Universität Wien. Seit 1990 verfasst er Prosa, Gedichte, Songtexte und radiophone Werke. Sein Debütroman Dopplergasse acht erschien 2003 im Ritter Verlag. Das Buch, ein Roman in 45 Strophen, voller Abgründe und Seltsamkeiten, ist eine gelungene Variation des Fenstergucker-Motivs, Moritat und Sittengemälde des Wiener Ortsteils Simmering in einem. 2011 nahm Wisser am Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt teil. Im selben Jahr erschien sein zweiter Roman STANDBY, der mit seiner an Gebrauchsanweisungen angelehnten Sprache, die fast durchgehend passivisch ist, viel Beachtung fand.

Für seinen Roman Königin der Berge, einer vielschichtigen und tragikomischen Auseinandersetzung mit dem Thema Sterbehilfe/Freitodbegleitung, wurde er mit dem Österreichischen Buchpreis 2018 ausgezeichnet. Als Musiker ist Daniel Wisser seit 1994 Mitglied der Band Erstes Wiener Heimorgelorchester. Im Jahr 2017 trat Wisser als Kandidat bei der Millionenshow mit Armin Assinger auf, wo er es auf den heißen Stuhl schaffte und 14 von 15 Fragen bravourös meisterte. Bei der Millionenfrage stieg er jedoch aus und gewann somit 300.000 Euro.

Daniel Wissers Sprache ist geradlinig und unverschnörkelt, eminent lesbar und geprägt von einem trockenen Humor. Obwohl er fest verankert in der sprachexperimentellen Tradition der sechziger und siebziger Jahre ist, steht die formale Erneuerung meist dezent im Hintergrund seiner Texte. Ihr innovatives Potential entspringt direkt aus dem Erzählten. Die Biografien seiner Protagonisten sind aufs Engste verflochten mit dem jeweiligen Zeitgeist, der durch zentrale Ereignisse heraufbeschworen wird. Im Fall des Romans „Löwen in der Einöde“, der vom Aufwachsen in der österreichischen Provinz der 1970er und 1980er Jahren handelt, sind das der Einsturz der Reichsbrücke in Wien am 1. August 1976, der Film „ET“ und das Schicksal des Vorarlberger Häftlings, der 1979 achtzehn Tage lang ohne Nahrung und Wasser in einer Gefängniszelle überlebt hat. Platzhalter des Zeitgeistes im Fall von „Königin der Berge“ sind der ehemalige Gouverneur von Massachusetts und US-Präsidentschaftskandidat Michael Dukakis (der zum Namensgeber eines Katers wird) sowie Dan Quayle, ein ehemaliger US-Vizepräsident, dessen verbale Ausrutscher wie Readymades immer wieder aus den einzelnen Abschnitten des Buchs hervorleuchten. Und der Beginn der Ära Alternativer Fakten unter Präsident Donald Trump. Das Lokalkolorit sowie das zentral eingesetzte Motiv des Todes in Wissers Büchern zeigt ihn fest verwurzelt in der Tradition des Memento Mori wienerischer Prägung.

Daniel Wisser ist ein aufmerksamer und kritischer Beobachter aktueller politischer Ereignisse, die auf vielfach verschlungenen Wegen in seine Romane und Erzählungen finden. Davon zeugen zahlreiche Essays und Kommentare in sozialen Medien. Im März 2021 erscheint sein Roman „Wir bleiben noch“. Wisser zeigt darin vier Generationen einer Familie „durch die sich die Gräben eines ganzen Landes ziehen“ (Klappentext).

Call for Papers

Auf dem 29.Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur auf Zoom (12.und 13. Dez. 2020) diskutieren die Seminarteilnehmer das Werk von Daniel Wisser im Dialog mit dem Autor. Vorschläge für Referate werden ab sofort entgegengenommen. Zusätzlich zu Arbeiten, die sich mit einem Einzelwerk befassen bzw. einen bestimmten Teilaspekt vertiefen, und solchen, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Seminar-Buch (Königin der Berge) beschäftigen, sind auch Überblicksreferate willkommen, die grundsätzliche Fragestellungen aufwerfen. Vorträge sollten zwischen 20 und 25 Min. dauern, das Abstract maximal 150 Wörter lang sein.

Kontakt

Walter Vogl (waltervo (at) z3.keio.jp), Masahiko Tsuchiya (tsuchiya (at) ngu.ac.jp)

Werke

  • Dopplergasse acht. Ritter Verlag, Klagenfurt 2003, ISBN 3-85415-338-4.
  • STANDBY. Klever Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-902665-37-9.
  • Ein weißer Elefant. Roman, Klever Verlag, Wien 2013, ISBN 978-3-902665-68-3.
  • Kein Wort für Blau. Erzählungen, Klever Verlag, Wien 2016, ISBN 978-3-903110-06-9.
  • Löwen in der Einöde. Roman, Jung und Jung, Salzburg 2017, ISBN 978-3-99027-095-0.
  • Königin der Berge. Roman, Jung und Jung, Salzburg 2018, ISBN 978-3-99027-224-4.
  • Unter dem Fußboden. Erzählungen, Klever Verlag, Wien 2019, ISBN 978-3-903110-54-0.
  • Wir bleiben noch. Roman, Luchterhand Verlag, München, erscheint am 15. März 2021, ISBN 978-3-630-87644-3.

Preise

  • 2007 Österreichisches Staatsstipendium für Literatur
  • 2011 Förderpreis des Landes Kärnten
  • 2013, 2015, 2017 Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien
  • 2018 Johann-Beer-Literaturpreis für Königin der Berge
  • 2018 Österreichischer Buchpreis für Königin der Berge

Das Seminarbuch
Königin der Berge (2018)

„Mein Buch des Jahres 2018 ist einer der wirklich großen Romane der vergangenen Jahre: Daniel Wissers Königin der Berge (Jung und Jung, 2018). Es ist der seltene Glücksfall einer tief bewegenden, aufwühlenden Geschichte, die ihre erzähltechnischen Innovationen nicht aus simpler Experimentierfreunde, sondern direkt aus der existenziellen Wucht der Situationen erzeugt. Herr Turin, der an Multipler Sklerose leidende Protagonist, wünscht sich einen würdevoll begleiteten Freitod, und seine Reise auf dieses Ziel zu offenbart sein reich mit Toten und Lebenden, Anwesenden und Abwesenden bevölkertes Innenleben sowie die bemühte und gütige, aber beizeiten auch friedliebend-hilflose Pflegeheimwelt, in der er nun existiert. Vor Jahren haben mich die Reden eines sprechenden Kugelblitzes in Thomas Pynchons Roman Gegen den Tag zu Tränen gerührt. Bei Daniel Wisser waren es die fürsorglich-nackenfellbeißerischen Reden eines sprechenden Katers aus dem Jenseits. Ein von menschlicher wie tierischer Wärme durchglühter Roman über einen Menschen in einem kalt gewordenen, ausweglosen Universum.“ (Clemens Setz, Süddeutsche Zeitung, 28.12.2018).

Links

HP Daniel Wisser
Facebook-Seite des Seminars

Anmeldung

Anmeldungen ab sofort und bis 30. September. Abgabetermin für das Abstract ist der 15. November. Zur Anmeldung.

*「オーストリア現代文学ゼミナール」への参加条件は以下の通りです:

Die Teilnahmegebühr beträgt 3000 Yen (1500 Yen für Studierende). Nach Überweisung der Teilnahmegebühr mit Zahlschein der Post sind Sie als TeilnehmerIn vorgemerkt und erhalten einige Tage vor dem Seminar die Zugangsdaten für das Zoom-Meeting. Postgirokonto: Ousutoria Gendai Bungaku Seminaru 00170-0-49707.

Da der Vorrat an Seminar-Büchern beschränkt ist, können wir dieses nur den ersten vierzig Angemeldeten (inklusive Rechnung für die Anmeldegebühr) per Post zuschicken (Achtung: Zusendung nur an japanische Postanschriften!). Alle anderen TeilnehmerInnen sind für die Beschaffung des Seminar-Buchs selbst verantwortlich und erhalten von uns nur eine Rechnung in Höhe der Teilnahmegebühr.
Tragen Sie daher bitte unbedingt Ihre genauen Daten (Adresse/Mail/Position) im Online-Anmeldeformular ein.

Daniel Wisser
Foto: ©Arnold Pöschl