29. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur (auf Zoom)
オーストリア現代文学ゼミナール

12. und 13. Dezember 2020
Mit Daniel Wisser
Peter Waterhouse

Gast des diesjährigen (2008) Literaturseminars ist Peter Waterhouse. Er wurde als Sohn eines britischen Offiziers und einer Österreicherin 1956 in Berlin geboren, wuchs zweisprachig auf, studierte Germanistik und Anglistik in Wien (Diss. über Paul Celan), wo er seit vielen Jahren lebt. Waterhouse ist einer der stilleren, aber sehr aktiven und von Kennern hoch geschätzten österreichischen Autoren. Er trat 1984 mit dem Gedichtband Menz hervor, veröffentlichte aber auch Essays und beschreibend-erzählende Prosa, zuletzt das monumentale Buch (Krieg und Welt), eine Reise in die Kindheit und Auseinandersetzung mit der schwer greifbaren Gestalt des Vaters, der in der Nachkriegszeit als Geheimdienstagent tätig war. Paul Jandl bezeichnete dieses Buch als „triumphalen Schlag gegen alle verstaubte Väterliteratur“. Waterhouse hat sich außerdem als Übersetzer hervorgetan: sieben Bände des englischen Lyrikers Michael Hamburger, Werke von Gerald Manley Hopkins und dem bedeutenden italienischen Dichter Andrea Zanzotto.

In einer werbungslauten, schnellebigen, leistungs- und erfolgsorientierten Welt, die auch den Künstler für ihre Zwecke zu vereinnahmen sucht, hält Peter Waterhouse an seiner stillen und stetigen poetischen Recherche fest. Keineswegs weltfremd, nur auf seine Weise unangepasst. Indem er eine Poetik der Zurücknahme praktiziert, die das Sensuelle allemal dem Sensationellen vorzieht, die Ehrfurcht vor den Dingen dem medialen Hype.

Ilma Rakusa in ihrer Laudatio auf Waterhouse bei der Verleihung des Erich Fried-Preises 2007
Die romantische Diskontinuität ist hier poetologisches Programm. Es geht Waterhouse buchstäblich um „die andere Geschichte, die von der Poesie geschrieben wird“, um eine Repoetisierung der Welt im Geist von Novalis und Friedrich Schlegel, um universale Spielfreiheit. Ist die Poesie nicht die eigentliche Welt? scheint der Dichter zu fragen

Michael Buselmeier in Die Zeit über Krieg und Welt
Das ist doch eines der merkwürdigsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe!

Jörg Drews über Die Geheimnislosigkeit

Buchveröffentlichungen

  • Menz Gedichte (1984)
  • Besitzlosigkeit, Verzögerung, Schweigen, Anarchie Erzählungen (1985)
  • Passim Gedichte (1986)
  • Sprache Tod Nacht Außen Gedicht-Roman (1989)
  • Das Klarfeld Gedicht (1989)
  • Verloren ohne Rettung (Prosa, 1993)
  • Die Schweizer Korrektur Essay, zusammen mit Durs Grünbein und Brigitte Oleschinski (1995)
  • E 71 Gedichte (1996)
  • Die Geheimnislosigkeit Essays (1996)
  • Im Genesis-Gelände. Versuch über Paul Celan und Andrea Zanzotto (1998)
  • Prosperos Land (Gedichte, 2001)
  • Die Nicht-Anschauung. Versuche über die Dichtung von Michael Hamburger (2005)
  • Krieg und Welt Prosa (2006)

Literatur über Peter Waterhouse

TEXT + KRITIK 137. Hrsg. v. Heinz Ludwig Arnold. München 1998. Mit Beiträgen von Hugo Dittberner, Yoko Tawada, Martin Kubaczek, Luigi Reitani u.a.

Preise

  • Manuskripte-Preis (1990)
  • Nicolas Born-Preis (1990)
  • Preis für europäische Poesie der Stadt Münster (1993)
  • Christine Lavant-Lyrikpreis (1994)
  • Heimito von Doderer-Preis (2000)
  • H.C. Artmann-Preis (2004)
  • Erich Fried-Preis (2007)

 

Vielleicht war es am schönsten für das Kind, gelassen zu werden, nicht den Verliererweg und nicht den Gewinnerweg gehen zu sollen. So war dann die Abreise der Mutter gewesen, Reise auf keinem Verliererweg, auf keinem Gewinnerweg. Die Abreise kein Verlassen, nicht einmal Loslassen, die Reise ein Lassen. Und ebenso spürte ich auch da weit von ihr, da in Jesenice, die Liebe der Geliebten: Geliebtwerden war ja vielleicht eine Tarnkappe tragen und unsichtbar sein.“

Peter Waterhouse, Krieg und Welt
Peter Waterhouse
Freitag, 7. November 2008
18:00Abendessen
20:00Einführungsvortrag Martin Kubaczek
21:00Lesung Peter Waterhouse
Samstag, 8. November 2008
09:30Poetik und Weltwahrnehmung bei Waterhouse
10:15Medienkritik in Krieg und Welt
11:00Lesung Peter Waterhouse
11:30Peter Waterhouse und Paul Celan
12:15Mittagessen
15:00Vertonungen von Gedichten von Waterhouse (Tonaufnahmen). Anschließend Werkstattgespräch mit dem Autor
18:00Abendessen
20:00Waterhouse als Übersetzer
21:00Filmporträt Waterhouse
Sonntag, 9. November
09:30Waterhouse und die Romantik
10:30Krieg und Welt: Vorstellung und Diskussion Peter Waterhouse
11:30Lesung Peter Waterhouse
12:15Seminarende