29. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur (auf Zoom)
オーストリア現代文学ゼミナール

12. und 13. Dezember 2020
Mit Daniel Wisser
Membran I: Zeit in Herbert J. Wimmers membran.roman

In dem der Textsammlung „membran. roman“ beigefügten, die immanente poetologische Reflexion auf anderer Ebene vorantreibenden Werkstattgespräch mit Dieter Bandhauer stellt Wimmer seinen ‚roman‘ als eine „räumliche installation aus 625 quadratisch angeordneten texten“ vor. Dieser räumlichen Vorstellung entsprechen nicht nur das explizit konstruktivistische Bauprinzip des Buchs und der im Zentrum von Wimmers sprachtheoretischen Überlegungen stehende Strukturbegriff (bzw. das auf diesen Nenner gebrachte Interesse an den menschliches Bewusstsein bestimmenden Sprachstrukturen), sondern auch die mit dem Strukturbegriff verbundene Präferenz für eine synchrone Betrachtungsweise. Auf die diese Problematik ins Blickfeld rückende Frage Bandhauers, ob „membran. roman“ sich als Ausdruck einer Sehnsucht danach verstehen lasse, „die zeit anzuhalten, aus zeit, wenn schon nicht raum, so zumindest eine textfläche zu machen, einen text also, der keiner chronologie mehr unterworfen ist“, antwortet Wimmer jedoch, dass die „schönste erarbeitete synchronizität eines werks im augenblick der wahrnehmung in die diachronie der wahrnehmung und ihrer konstruktion als gedächtnispartikel verwandelt“ werde. Diese Problematik soll im Lichte traditioneller Vorstellungen von Sprache als einem ‚eigentlich‘ zeitlich dimensionierten Medium und Ricoeurs Reflexion über „Zeit und Erzählung“ erörtert werden.