29. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur (auf Zoom)
オーストリア現代文学ゼミナール

12. und 13. Dezember 2020
Mit Daniel Wisser
Poesie und Wissenschaft in Raoul Schrotts Werk
Christian Zemsauer (Tokio)

Wechselwirkungen zwischen Poesie und Wissenschaft durchziehen das Werk von Raoul Schrott. Wissenschaft bezieht sich hier einerseits auf die Verbindung einer poetologischen sowie wissenschaftlich-analytischen Vorgehensweise in Schrotts Reflexionen über das Wirken von Poesie. Andererseits wird die spezielle Bedeutung der Naturwissenschaften in Schrotts Werk behandelt.Der umfangreiche Themenkomplex wird in eben diese zwei Bereiche aufgespalten. Der erste Bereich umfasst Schrotts Forschung nach dem Wesen der Poesie, in der er eine Poetik mit Bezugnahme auf Erkenntnisse der Neurophysiologie bzw. -psychologie (Gehirn und Gedicht (2011)) entwickelt. Im zweiten Bereich geht es um den Dialog von Dichtung mit den Naturwissenschaften, der Schrotts Werk wesentliche Impulse gibt. In zahlreichen Gedichten (z. B. in der Sammlung Tropen (1998)) und in Prosatexten greift er naturwissenschaftliche Themen (aus der Quantenphysik, Kosmologie, Evolutionsbiologie usw.) auf und verarbeitet sie in poetischer Weise. Mit dem Großprojekt Erste Erde, dem eine umfangreiche Recherche- und Interviewtätigkeit zugrunde liegt, hat Schrott ein monumentales Werk vorgelegt, in dem er Beschreibungen von Begegnungen mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen mit einer poetischen Weltbeschreibung verknüpft. In beiden Bereichen steht im Mittelpunkt, an den Grenzen der Poetik bzw. an jenen der Empirik eine sich gegenseitig befruchtende Verbindung zu suchen. In der Analyse von poetischer und nicht-poetischer Metaphorik und von Vergleichen scheint Schrott sich Verbindungspunkten zwischen Poesie und Wissenschaft anzunähern.

Raoul Schrott
Foto: ©Peter-Andreas Hassiepen
Freitag, 16. November 2018
18:30Abendessen
20:00Begrüßung und Einführung
20:15Erste Lesung Die Kunst an nichts zu glaubenRaoul Schrott
20:45Die Beziehung zwischen den Dingen und dem Ich: Raoul Schrotts Gedichte mit Heidegger gelesenNoriaki Watanabe (Tokio)
Samstag, 17. November 2018
09:30Die Welt als Vexierbild: Raoul Schrotts Erstling Finis TerraeMiyuki Soejima (Otaru)
10:15Liebe und Utopie in Gottfrieds von Straßburg Tristan und Raoul Schrotts Tristan da CunhaJutta Eming, Christin Keil (Berlin)
11:00Pause
11:15Eine Insel mit zwei Bergen: Schrotts Tristan da Cunha und Lotis TahitiMichael Wetzel (Bonn)
12:00Mittagspause
15:00Das Schweigen des Erzählens: Raoul Schrotts Erzählung Das schweigende KindKikuko Kashiwagi (Osaka)
15:45Zweite Lesung Erste ErdeRaoul Schrott
16:15Pause
16:30Erd-Literatur: Zur Aktualisierung epischer Erzählformen in Raoul Schrotts Erste ErdeOliver Völker (Frankfurt)
17:15Vom Übersetzen: Werkstattgespräch mitRaoul Schrott
18:30Abendessen
20:00Das Versepos: Eine zeitgenössische Form? Lesung (Verbannt!) und Diskussion mitAnn Cotten
Sonntag, 18. November 2018
09:30Poesie und Wissenschaft in Raoul Schrotts WerkChristian Zemsauer (Tokio)
10:15Verschreibungen – Die verflixten NarrativeHerrad Heselhaus (Tokio)
11:00Pause
11:15Das Seminar im Kontext: „Faszination Japan“. Eine Untersuchung der Faszination durch Fremdheit am Beispiel von Darstellungen Japans in der österreichischen LiteraturLina Bittner (Wien)
12:00Abschlussdiskussion